Übergänge

„Amen“, sprach er. Und plötzlich war er wieder weg. Das habe ich vergangenen Sonntag im Kloster Weltenburg in Bayern erlebt. Ein Priester eröffnet die Heilige Messe, spricht ohne besondere Betonung und musikalischer Unterbrechung die offiziell vorgeschriebenen Texte. Er trägt das Evangelium vor. Er setzt sich. Plötzlich kommt ein anderer Priester hereingeschneit, hält die Predigt. Dieser liest nichts ab. Er spricht frei. Ich bin begeistert. Doch so schnell er hereingekommen ist, ist er auch schon wieder weg. An der Messe hat er gar nicht wirklich teilgenommen. An diesem Erlebnis wurde mir später klar: wie wichtig ist es doch, dass ich nicht nur im Gottesdienst, sondern auch in meinem Alltag und in meinem Leben erahne, welches „Stück“ eigentlich gespielt wird. Dieses Bild vom „Theaterstück“ hat der Prediger verwendet. Er erzählte folgende Geschichte: Ein Schauspieler ist so betrunken, dass er nicht mehr weiß, welches Theaterstück er spielt. Als der Souffleur ihm den Text zuflüstern will, raunzt er: „Keine Details, sag mir, welches Stück!“ Wenn ich daran glaube, dass Gott der Regisseur meines Lebens ist, brauche ich nicht wie ein perfekter Schauspieler den ganzen Text und den Ablauf im Voraus zu kennen. Ein Theaterstück besteht aus mehreren Szenen und Akten. Und oft genug aus Improvisationen und Übergängen. Während der Übergänge wird die Bühne umgestaltet. Pausen und Umgestaltungen sind für den Erfolg und den geregelten Ablauf genauso wichtig wie die öffentlich sichtbaren Szenen. Heute feiern viele wieder einen wichtigen Übergang in die Fastenzeit: Die fünfte Jahreszeit. Um Karneval zu feiern, muss ich gar nicht auf mehreren Veranstaltungen sein. Eine genügt oft schon. Ich brauche sie nur wach und bewusst auszuwählen. Wenn ich vom Anfang bis zum Ende mitfeiere, ohne Angst, etwas anderes zu verpassen, kann ich hoffentlich ansatzweise mitbekommen, welches Stück eigentlich gespielt wird.