„Kernschmelze“ in der katholischen Kirche?

Interview mit Andrea Voß-Frick von der Initiative Maria 2.0 („Mensch Bach“, http://www.radiowesterwald.de)

Maria 2.0

Seit dem 1. Mai finden, wie jedes Jahr, häufig unter offenem Himmel Gebete und Andachten statt, um die Gottesgebärerin Maria zu loben. Die Mutter Gottes hält in ihrem Lobgesang auf Gott, dem Magnifikat, mit der Kritik an Unrecht und Ungerechtigkeit nicht vor dem Mund : „Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron, und erhöht die Niedrigen.“ (Lukasevangelium 1,52).

Die Schweigespirale durchbrechen. „Wir nehmen Maria natürlich als ganz wichtige Frau wahr, allerdings in einer Rolle, mit der wir uns nicht unbedingt identifizieren können als Frauen, als Frauen der heutigen Zeit“, sagt Andreas Voß-Frick von der Initiative „Maria 2.0“. Diese Frauen wollen Maria „vom Sockel in unsere Mitte“ holen. Deshalb lassen sich nicht mehr länger den Mund verbieten. In einem offenen Brief fordern sie Papst Franziskus dazu auf: konsequente Entfernung derjenigen aus dem Amt, die „andere geschändet haben an Leib und Seele oder diese Taten geduldet oder vertuscht haben“. Die Täter sollen den Gerichten überstellt werden, Frauen den Zugang zu allen Ämtern der Kirche gewährt werden, das Pflichtzölibat aufgehoben und „die kirchliche Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen“ ausgerichtet werden. Dazu denken sie sich jetzt während des Marienmonats kreative Aktionen aus, bleiben unter anderem auch öfter vor der Kirche stehen, um auf das Anliegen aufmerksam zu machen und ins Gespräch zu kommen.

Maria macht die Kirche neu. Diese Frauen auch? Der Limburger Bischof Georg Bätzing berichtet über seine pastoralen Besuche unter anderem in Frankfurt; Er habe gemerkt, dass die Gläubigen die Erkenntnisse über die Missbräuche „massiv erschüttert“ hätten. Bei seinen Besuchen in den Pfarrgemeinden werde er aber in der Regel von Gläubigen nicht direkt darauf angesprochen. „Ich habe gemerkt: Ich muss es ansprechen“, so Bätzing.  „Und wo ich von mir aus das Thema aufgemacht habe, da sprudelten die Leute.“ Er habe dabei „Aggression, Enttäuschung und Wut“ gespürt. Der Bischof fordert dazu auf, die „systemischen Ursachen des Missbrauchs“ in der katholischen Kirche „auf allen Ebenen“ anzugehen.

Autor: gunnarbach

Ich bin Gunnar Bach, verheiratet, drei Kinder, und arbeite als Pastoralreferent im Bistum Limburg (Pfarrei Liebfrauen Westerburg). Ich glaube, dass es eine spirituell erfahrbare Kraft gibt, die Menschen ganz unterschiedlicher Prägung, Erfahrung und Weltanschauung verbinden und Gräben überwinden kann. Als Christ nenne ich das Phänomen das angebrochene Reich Gottes. Deshalb gehe ich gerne auf Spurensuche, gerne auch mit Schreibblock oder Mikro.

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